Kunstaktion „Bewegte Bilder zu Flucht und Migration“

(english version below)

Den Themen Flucht, transnationale Bewegungsfreiheit und Abschiebung widmet sich die Kunstausstellung „Bewegte Bilder“ in Paderborn. Mit der Aktion wollen wir auf die Lage der Geflüchteten, insbesondere in Deutschland, aufmerksam machen. Schutzsuchende werden durch die Abschiebepraxis dauerhaften Existenzängsten ausgesetzt. Durch Behörden, Papiere und Vorurteile werden gewichtige Schutzgründe ignoriert und prekäre Lebenssituationen keinerlei Rechnung getragen. Unter dem Motto „Bewegte Bilder“ wird es ein vielfältiges Programm im September geben:

(English below)

Vom 11.9. bis 6.10. gibt es die Ausstellung an ausgewählten Terminen mit Vorträgen am 11.9., 13.9. und 20.9. im Stadtcampus im Stadtzentrum. Öffnungszeiten unbedingt beachten! ( Siehe hier)

Wegbeschreibung

vgl. Openstreetmap.
Hinter dem Busbahnhof Westerntor nach rechts in die Alte Torgasse einbiegen; auf der linken Seite, direkt gegenüber dem Eingang zu Galeria Kaufhof, am „Eingang 5“ (Parkhaus Königsplatz) mit dem Aufzug in den 6. Stock fahren. Dann ist der StadtCampus erreicht.

Programm

13.9.: 19:00 Uhr – Vortrag & Präsentation Martin Kolek zu „Katastrophe Mittelmeer und in unseren Köpfen“ mit Lesung aus seinem Buch „Neuland“
20.9., 19:00 Uhr – Vortrag von Johanna Gramlich, Geflüchtetenhilfe Lippe, und Erlebnisbericht eines Geflüchteten Roma zu der Problematik „Sichere Herkunftsländer“ sowie der Situation geflüchteter Roma

Die Kunstaktion ist Teil der Kampagne We’ll Come United!, die am 16. September mit der Antirassistischen Parade / dem commUNITY-Carnival in Berlin ihren Abschluss finden wird. Im Fokus der Kampagne stehen Geflüchtete, die Verbesserung ihrer Rechte und der gemeinsame Kampf um die Verbesserung ihrer Situation.

For the right to move!

In Paderborn there will be an art exhibition about flight, freedom of transnational movement, deportation and detention centers. We want to raise awareness about the current situation and racist practices that refugees, especially in Germany, face every day. While trying to seek refuge. they have to face consistent existential fears due to ruthless deportation practices. Their right to protection and safety as well as their precarious living conditions are not considered or ignored by the law, the authorities and prejudice.

With “Moving Art – Works about refugees, deportation and detention centers” we all become artists and present our thoughts and concerns in all its forms:

From 11th Sept until 06th Oct: Permanent display of the art at the citycampus (Königsplatz 1, 33098 Paderborn) with several small events.

For arrival consider Openstreetmap.
You’ll find the exhibition at „Eingang 5“ (entrance to parking lot Königsplatz) in the „Alte Torgasse“, directly opposite to the entrance of Galeria Kaufhof. Then, you’ll have to take the lift to the 6th floor to arrive at the City Campus.

The events are to be found here, the opening hours for the exhibition here.

For requests concerning the program and the opening hours of the exhibition you can contact us via paderbewebi@gmail.com.

The art exhibition is part of the campaign We’ll Come United! finding its conclusion on 16th of Septembre with the antiracist parade / commUNITY-carnival in Berlin. The campaign is focussing on refugees, their rights and the united struggle for the betterment of their situation.

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Paderborn: Flüchtlinge hinter Gittern

 

Abschiebehaft in Deutschland am Beispiel von Büren

Vortrag von Frank Gockel (Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.) am Dienstag, den 30. Mai 2017 um 19:30 im Hörsaal H2 der Uni Paderborn

Eine Veranstaltung von ausbrechen, Projektbereich Eine Welt, ASTA/Politische Aufklärung, attac und HfMiA

NGOs wird Zugang zu Abschiebehäftlingen massiv erschwert

Pressemitteilung des Vereins Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.:

Büren – Seit dem 23. 3. 2017 wird der Zugang von NGOs zu Abschiebehäftlingen in der Abschiebehaftanstalt Büren massiv erschwert. Durch ein kompliziertes Antragsverfahren ist es nicht mehr möglich, dass der Verein „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.“ alle Gefangenen sprechen kann, die das möchten. Der Leiter des Gefängnisses verweigert hierzu jegliche Gespräche.

Seit mehreren Wochen ordnete der neue Leiter der Abschiebehaftanstalt Büren, Dr. Nicolas Rinösl, immer wieder kleine Änderungen in den Besuchsabläufen zwischen Gefangenen und den Mitgliedern des Vereins „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.“ an. Dieses führte bereits zu Verzögerungen in den Abläufen und die Vereinsmitglieder mussten lange Wartezeiten hinnehmen. Der Verein hat seitdem mehrfach um ein Gespräch mit den Einrichtungsleiter gebeten, dieser hatte hierfür jedoch keine Zeit.

Seit dem 23. 3. 2017 sind unerwartet neue Restriktionen in der Beratungsarbeit des Vereins eingeführt worden. Gefangene müssen nun Anträge stellen, wenn sie mit den Verein sprechen wollen. In zumindest einen Fall wurde ein Gefangener befragt, welches Anliegen er an den Verein hat und ihm wurde dann gesagt, dass er den Verein nicht sprechen könne. Aber auch Mitglieder des Vereins sollen mehr als 24 h vorher anmelden, welchen Gefangenen sie sprechen wollen. Dennoch müssen sie dann lange Wartezeiten und Pausen in der Arbeit hinnehmen.

Der Verein unterstützt Gefangene unter anderen damit, dass er Telefonkarten an Gefangene verteilt, da dieses oft die alleinige Möglichkeit ist, mit Angehörigen, Familien und Rechtsanwälten zu sprechen. Die bisherige Möglichkeit der Verteilung wird seit dem 23. 3. 2017 ebenfalls durch das Abschiebegefängnis verweigert. Es soll durch ein neues System ersetzt werden, in dem Gefangene erneut Anträge schreiben müssen.

„Offensichtlich ist die Einrichtungsleitung mit der Steuerung der Abläufe im Gefängnis überfordert, seitdem die Zahl der Inhaftierten auf bis zu 120 gestiegen ist“, so Frank Gockel, Pressesprecher des Vereins „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.“ „Dieses wird nicht nur an die neuen Restriktionen gegenüber dem Verein deutlich, sondern auch an immer mehr Einschlüssen in Schlichtzellen und besonderes gesicherten Hafträumen.“ Gockel kritisiert weiter, dass z. B. auch Gefangene als Sanktionsmaßnahme vollkommen entkleidet wurden, ihnen die Möglichkeit zum Telefonieren genommen oder der Besuch von NGOs für sie untersagt worden ist.

„Dass nun der Zugang von Gefangenen zu NGOs bürokratisch eingeschränkt und besser überwacht werden soll, passt leider auch zum aktuellen Bild der Flüchtlingspolitik.“ Gockel kritisiert, dass das Innenministerium des Landes eine Aufstockung der Einrichtung vornehmen will, obwohl es schon jetzt nicht verhindern kann, dass Restriktionen gegen die Gefangenen ausgeweitet werden.

 

Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.

Internet: www.gegenAbschiebehaft.de

Ein Jahr Wiedereröffnung der Abschiebehaft in Büren

Büren – Vor einem Jahr wurde das Abschiebegefängnis in Büren wieder eröffnet. Im Vorfeld gab es viele Versprechen des Innenministeriums NRW, doch die Bilanz sieht nüchtern aus.

Seit dem 15. Mai 2015 ist die Abschiebehaftanstalt Büren wieder als „Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige“ der Bezirksregierung Detmold eröffnet worden. Vorher hatte am 25. 7. 2014 der Bundesgerichthof entschieden, dass in der früheren JVA Büren keine Abschiebehäftlinge mehr zusammen mit Strafhäftlingen untergebracht werden dürfen.

Vor der Wiedereröffnung hat NRW Innenminister Ralf Jäger mehrfach in Pressemitteilungen versprochen, dass Abschiebehaft in NRW nur noch als „Ultima Ratio“ angewendet wird. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Während Büren geschlossen war, hat NRW durchschnittlich 12 Menschen inhaftiert, seit der Wiedereröffnung waren es teilweise über 75 Abschiebegefangene. Neuerdings will die Landesregierung sogar die Zahl weiter steigern, ein Ausbau auf 174 Haftplätze ist in Planung.

Während Büren geschlossen war, wurden die Abschiebehäftlinge nach Berlin gebracht. Die Landesregierung wollte damals die Abschiebehäftlinge so schnell wie möglich nach NRW zurückholen, offiziell um den Betroffenen die lange Fahrt nach Berlin nicht zuzumuten. „In Wahrheit ging es jedoch darum, den Ausländerbehörden die Inhaftierung zu erleichtern“, so Frank Gockel, Pressesprecher des Vereins Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V. Wahren bis vor kurzem Frauen in Büren untergebracht, so hat NRW nun 20 Haftplätze in Ingelheim für sie eingekauft, um die Kapazität für Männer zu erhöhen. Gockel dazu: „Die Frage, warum man Frauen die lange Fahrt nach Ingelheim nun zumuten kann, bleibt offen.“

Das Gefängnis in Büren entspricht nicht den europarechtlichen Vorgaben zur Unterbringung von Abschiebegefängnissen. Versprochen wurden bei der Wiedereröffnung daher Baumaßnahmen mit einem Volumen von 19,8 Millionen Euro. „Wieder ein leeres Versprechen des Innenministers, denn passiert ist nichts“, so Gockel.

Deutlich gestiegen sind jedoch die Kosten der Inhaftierung, welche die Gefangenen, wenn sie Geld haben, selber bezahlen müssen. Waren es früher90 € pro Tag, so sind es jetzt 350 €. Woran diese massive Kostenerhöhung liegt, bleibt offen. Ein Mitarbeiter des Innenministeriums hat vor kurzem auf einer Tagung in Mühlheim dieses u.a. damit begründet, dass die nicht durchgeführten Umbaumaßnahmen darin schon eingerechnet wurden.

Zwar haben sich zwischenzeitlich die Haftbedingungen wesentlich gebessert, u.a. wurden die Disziplinarmaßnahmen abgeschafft. Jedoch werden nun die Betroffenen mit Hilfe des Begriffs „Sicherheit und Ordnung“ in Einzelhaft bis zu mehreren Tagen eingesperrt. „Früher gab es zumindest mit Hilfe des Disziplinarverfahrens den Versuch ein faires Verfahren einzuhalten, nunmehr liegt die Dauer der Sanktionsmaßnahme vollkommen im Ermessensbereich der Beamten. Dieses kann schnell zu Willkür führen“, so Gockel.

Gockel zieht ein Jahr nach der Wiedereröffnung eine negative Bilanz: „Die Landesregierung und das Innenministerium NRW treiben den Ausbau der Abschiebungshaft in NRW voran, statt die Ausländerbehörden anzuhalten, Haft zu vermeiden. Versprechen der Besserung sind oft nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt werden.“

Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.

Pressesprecher:

Frank Gockel

Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) schließen statt abschieben!

Bewegungsfreiheit statt Abschiebelager! Jeder Fluchtgrund ist legitim!

NRW-weite Demo in Bielefeld am 02. April 2016

Auftaktkundgebung: 14.00 Uhr
Ort: Bahnhofsvorplatz (HBF)

Warum Bielefeld?
In Bielefeld befindet sich eine der drei Zentralen Ausländerbehörden (ZAB) des Landes Nordrhein-Westfalen. Die ZAB Bielefeld ist dabei nicht nur NRW-weit für die Organisation von Flugabschiebungen zuständig. Sie „berät“ auch in speziellen Abschiebelagern (sogenannten „Balkan-Zentren“) „unerwünschte“ Geflüchtete über die „Vorteile der freiwilligen Rückreise“. Denn nicht weit von Bielefeld befindet sich unter anderem das Abschiebelager Hövelhof-Staumühle, in dem bisher albanische Geflüchtete verwahrt und schleunigst wieder abgeschoben wurden – nun sind davon auch aus Kosovo, Serbien, Bosnien-Herzegowina oder Mazedonien geflüchtete Menschen betroffen und demnächst wohl noch weitere. Die Bielefelder Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wickelt dabei das Schnellverfahren ab, mit dem mit pauschalisierten Ablehnungen den Betroffenen jede Chance auf Asyl genommen wird.

The Summer of Hope
Im letzten Jahr wurden die Mauern der Festung Europa endlich brüchig! Sie bröckelten, weil sich viele Menschen von überall her aus vielen eigenen Gründen auf den Weg gemacht haben.
Diese Menschen sind nicht mehr bereit, das elende Leben zu ertragen, das ihnen ein global abgestuftes Verwertungs- und Herrschaftssystem zubilligt, sie sind auf der Suche nach einem besseren Leben!

Die Kontrolle über die Fluchtbewegungen ging den europäischen Regimen verloren und für einen kurzen Augenblick konnten sich die Menschen so frei bewegen wie lange nicht. Ein riesiger Erfolg, den sich die Bewegung der Geflüchteten erkämpft hat. Seitdem kämpfen die Herrschenden hart darum, die Kontrolle wieder zu erlangen. Sie wollen die Menschen kontrollieren, um sie in „nützliche“ und „unnütze“ sortieren zu können.

Es gibt keine sicheren Herkunftsstaaten
In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits wie in Bayern mehrere Abschiebelager speziell für Menschen aus „sicheren Herkunftsländern“. Von dort werden Geflüchtete zur angeblich „freiwilligen Ausreise“ gedrängt oder in massenhaft vorgezogenen Schnellverfahren abgeschoben. Das über alle Balkanländer verhängte Konstrukt „sicherer Herkunftsstaaten“ soll nun auch auf Algerien, Marokko und Tunesien ausgeweitet werden, was bedeutet, dass die aus diesen Ländern geflüchteten Menschen ebenfalls keine Chance haben sollen hierzubleiben.
Viele der aus den Balkanländern Geflüchteten sind Rom*nja, die dort ihrer Existenz beraubt, ausgegrenzt und verfolgt worden sind und deren Vorfahren vom NS-Regime ermordet wurden. Das ist vielfach bestätigt und den Herrschenden hier bestens bekannt. Und weil kein Staat für alle sicher ist, sind z. B. wie in vielen Ländern Verfolgungen aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung ebenfalls belegt.

Nationalismus ist keine Alternative
Parallel zu Gesetzesverschärfungen und den wachsenden Mauern in und um Europa, wobei die autoritär regierte und Krieg gegen die Kurd*innen führende Türkei als Pufferstaat benutzt wird, wächst in Deutschland eine rassistische und nationalistische Bewegung, die von der „Mitte der Gesellschaft“ über CSU und AfD bis zu den Nazis reicht. Hunderte angegriffener Unterkünfte für Geflüchtete zeugen von der Aggressivität dieser Bewegung, die sich durch das Verhalten von Polizei und Politik sehr häufig bestätigt und bestärkt fühlen darf. Gegenwärtig erleben wir einen Überbietungswettbewerb seitens der Politik, wer am härtesten gegen Geflüchtete vorgeht.

Akteure der Abschiebungen
Neben den Zentralen Ausländerbehörden (ZAB), lokalen Ausländerbehörden und Fluggesellschaften, die die Flieger für die Abschiebungen zur Verfügung stellen, dem Düsseldorfer Flughafen, der ein eigenes Gate dafür unterhält, geht es vor allen Dingen um die Unternehmen und Organisationen, die die Abschiebelager betreiben. Überraschenderweise haben wir es bei diesen speziellen Lagern oft nicht mit kommerziellen Anbietern zu tun, sondern mit angeblich humanitär ausgerichteten Organisationen wie dem Malteser Hilfsdienst und dem Roten Kreuz. Dass sich diese Organisationen bereit erklären, Einrichtungen zu betreiben, die den einzigen Zweck haben, ein Klima der Abschreckung und Angst zu schaffen, um die Vertreibung vieler Geflüchteter möglichst reibungslos ohne Öffentlichkeit durchzusetzen, lässt sehr tief blicken.

Aber weder die offenen Rassist*innen noch die Herrschenden werden die Menschen aufhalten, die sich auf den Weg gemacht haben – soviel ist jetzt schon klar!

Wir wollen uns mit allen verbünden, die die Abschiebungen und die Sortierung von Menschen in „echte“ und „falsche“ Geflüchtete nicht hinnehmen wollen! Wir wollen gemeinsam für ein gutes Leben für alle kämpfen.

Wir wollen nicht, dass die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) in Bielefeld Abschiebungen organisiert, darum lasst uns das stoppen!
Bewegungsfreiheit gemeinsam erkämpfen!

aufrufendes Bündnis „Bewegungsfreiheit statt Lager“

Kompass-Antira-Newsletter Nr. 46 – Februar 2016

Kompass-Newsletter Nr. 46 – Februar2016 (pdf)

+++ 26.-28.2.: Refugee Konferenz in Hamburg +++ Ägäis im Januar: Hohe Ankunftszahlen, viele Tote +++ 13./14.2.: Mehrere Koordinationstreffen zur Balkanroute +++ 1. März: Transnationaler dezentraler Aktionstag gegen Grenzregime und Prekarisierung +++ Asylpaket II stoppen +++ Wider die rassistisch-populistischen Diskurse +++ Rückblicke: Sommer der Migrationen, Aktionen in Calais +++ Ausblicke: Regionalkonferenz in Frankfurt, Fähren statt Frontex Kampagne, Welcome to stay Konferenz… +++

Liebe Freundinnen und Freunde!

Im ersten Newsletter des neuen Jahres wollen wir einleitend drei Punkte stark machen:

Erstens: Auf nach Hamburg!
Dort findet vom 26. bis 28. Februar eine internationale Konferenz von Geflüchteten und MigrantInnen statt. „Diese selbst-organisierte Zusammenkunft soll existierende Netzwerke von Geflüchteten stärken und dazu beitragen, neue Netzwerke zu entwickeln. Außerdem soll sie die Möglichkeit bieten, die aktuelle Situation in Deutschland und Europa zu analysieren. Unser Ziel ist, uns darauf zu konzentrieren, was zusammen getan werden kann, und so vielen Stimmen, Erfahrungen und Perspektiven wie möglich Raum zu verschaffen.“
Angesichts sich aktuell zuspitzender Kämpfe und gesellschaftlicher Polarisie­rungen – von den Außengrenzen bis in die Zielländer – können wir diese Initiative für einen gemeinsamen Diskussionsraum der antirassistischen Bewegung nur schärfs­tens begrüßen. Wir hoffen sehr, dass „The struggle of refugees. How to go on? Stop war on Migrants“ – so der treffende Konferenztitel – zu einem starken Signal des weiteren Kampfes um Bewegungsfreiheit für 2016 wird (mehr siehe unten).

Zweitens: „Obergrenze, das schaffen wir nicht“
So titelt die Wochenzeitschrift Stern vom 28.1.16 einen Artikel, in dem die faktische Unmöglichkeit dargelegt wird, die Grenzen rund um Germany für Flüchtlinge effektiv zu schließen – angesichts des allgemeinen medialen Getöses zwischen „Sexmob“ und „Schusswaffengebrauch an der Grenze“ eine beachtlich nüchterne Analyse. Denn spätestens „nach Köln“ (dazu unten mehr) dominiert eine neue alte Mischung „rassistischer Hetze und Gesetze“ den öffentlichen Diskurs. Zitieren wir nochmal den Stern: „Angela Merkels Politik hat den Flüchtlingsstrom womöglich ein wenig beschleunigt, aber sie hat ihn nicht verursacht und nicht ausgelöst. Und mit der Entscheidung für eine Obergrenze kann man ihn nicht stoppen.“ Wer es nochmal genauer wissen will: Aktive aus dem Projekt moving-europe.org haben sich die Mühe gemacht, den unglaublich erfolgreichen Zyklus des „langen Sommers der Migration“ in einer detaillierten Chronologie nachzuzeichnen. Es ist mehr als empfehlenswert zu lesen, um sich der Dynamiken zu erinnern, die niemand für möglich hielt – und deren Potentialität Eu­ropa weiter in Atem halten wird! Im Januar 2016 sind über 60.000 Menschen mit Booten in der Ägäis angekommen, mitten im Winter und soviele wie im Juli letzten Jahres.
Gleichzeitig sind dort mindestens 250 Menschen auf See gestorben, mehr als je zuvor in einem Monat. Weitere Zuspitzungen an den Außengrenzen, auf der Balkanroute bis hinein in die Zielländer sind für das Frühjahr und den Sommer vorgezeichnet. Hochgradig umkämpfte Räume und Europa 2016 am Scheideweg! „Orbanisierung“ mit Hochsicherheitszäunen, Schießbefehl an den Grenzen, Ausnahmezustand, immer rechtere Regierungen und rassistische Pogrome? Oder neue Durchbrüche der Fluchtbewegungen im Kampf um Bewegungsfreiheit, transnationale „De-fencing“-Aktionen (siehe unten) für ein offenes Europa von unten, ein neuer sozialpolitischer Aufbruch? Alles erscheint möglich…

Drittens: Solidarity for All – gegen das rassistische Getöse!
„Kann der Impuls der Autonomien und Kämpfe der Migration in andere soziale Fragen übergreifen? Können die Märsche der Hoffnung Mut machen und eine neue Dynamik sozialer Kämpfe in Europa entfachen? …‚Solidarity for all‘, der Slogan emanzipativer Netzwerke Griechenlands, wäre aufzugreifen, um alle Spaltungsversuche offensiv zu bekämpfen und gleichzeitig die ‚Normalität der Austerität‘, die Politik der Sozialkürzungen und Prekarisierung neu anzugreifen. Bezahlbare Wohnungen für alle durch neue Wohnungsbauprogramme, Zugang für alle zu gesundheitlicher Versorgung und Bildung, bedingungslose Grundein­kommen und erhöhte Mindestlöhne: diese sozialen Forderungen können und müssen mit neuem Leben gefüllt werden, durch soziale Aneignung und soziale Streiks, lokal bis transnational.“
Das hatten wir in unserem Newsletter im Oktober 2015 bereits formuliert und können es nur noch einmal bestärken. Wir dürfen uns von der neuen rassistischen Welle nicht in die Defensive treiben lassen. Die erfolgreichen Kämpfe der Flüchtlinge und MigrantInnen haben die soziale Frage mit neuer Wucht auf die Tagesordnung gesetzt. Wir müssen sie in
aller Breite aufgreifen und darin neue Allianzen entwickeln. Der transnationale Aktionstag am 1. März bietet eine erste Gelegenheit auf dezentraler Ebene, „verschiedene prekäre Realitäten sichtbar zu machen und in einen gemeinsamen Kommunikationsprozess zu bringen“ (siehe unten). „Solidarity for all“ wird Anfang März der Titel einer Regionalkonferenz in Frankfurt lauten, in mehreren Städten gib es ähnliche Initiativen und für Mai ist eine große „Welcome to Stay“-Konferenz in Planung (siehe unten).
In diesem Sinne: the struggle goes on!

Eure Kompass-Crew

Kompass-Newsletter Nr. 46 – Februar2016 (pdf)

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Paderborn: AfD stoppen

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen will die AfD am 12.Februar in Paderborn demonstrieren. Und während die Bundesregierung alle Verbesserungen, die in den letzten Jahren von Flüchtlingen erkämpft wurden, wieder rückgängig macht und den rechten Stichwortgebern hinterherläuft, indem sie weitere Länder zu „sicheren Herkunftsländern“ macht und das Recht auf Asyl endgültig zur hohlen Phrase verkümmern lässt, verbreitet die AfD weiter die Mär von der angeblichen Tatenlosigkeit.

Wie sich die AfD indessen Taten vorstellt, hat sie hinlänglich deutlich gemacht. Wer wie Frauke Petri auch den Schusswaffeneinsatz propagiert, zeigt, wes Geistes Kinder hier ihr Unwesen treiben.

Umso wichtiger ist ein entschlossener und offensiver Widerstand gegen Rassismus und Hetze. Beim letzten Mal konnte durch die Anmeldung der Gegendemo und eine Blockade die Route der Deutschland-Freunde bereits verkürzt werden. Aber da ist noch mehr drin! Keinen Fußbreit!

Mehr Infos hier: http://www.bgr-paderborn.de/

 

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Hövelhof: Demo gegen Abschieblager

Während in Büren bei Paderborn demnächst ein Abschiebezentrum entsteht, wo neu ankommende Flüchtlinge gleich mal auf die mehr als sechs Meter hohen Mauern des Abschiebeknastes blicken müssen, ist nicht weit davon auch ein „Balkan-Zentrum“ in Betrieb.
15.11.2015
Die nordrhein-westfälische Landesregierung aus SPD und Grünen ordnete Anfang Oktober die Errichtung solcher Sammellager für Geflüchtete aus Albanien an. Das größte dieser
Abschiebelager steht in Hövelhof-Staumühle bei Paderborn. 450 der 750 Unterbringungsplätze sind mittlerweile für Menschen aus Albanien reserviert. Dort sollen sie von Beginn ihres Asylverfahrens bis zu ihrer Abschiebung ausharren.
Dabei setzt Deutschland auf die Einteilung in „gute“ und „schlechte“ Geflüchtete. Die immer wieder betonte Willkommenskultur gilt scheinbar nur für die „Guten“. Die „Schlechten“, werden mit Begriffen wie Wirtschaftsflüchtlinge abgewertet, massenhaft in Lager gesteckt und abgeschoben. Eine Rhetorik die Rechten nach dem Mund spricht. Wie die Situation in Hövelhof-Staumühle zeigt, wird dabei noch zusätzlicher Druck auf die Betroffenen ausgeübt. An Stelle einer Verfahrensberatung, wie sie in anderen Unterkünften üblich ist, wird hier nur die Rückkehrberatung angeboten.

Am Sonntag, 15.11.2015 um 14:00 rufen daher antirassistische Gruppen zu einer Demonstration gegen das Abschiebelager auf. Start ist am Bahnhof in Hövelhof bei Paderborn.

Mehr Infos: https://moveandresist.wordpress.com/2015/11/05/demonstration-15-11-2015-hovelhof-bahnhof/

Moving Europe – Europa am Wendepunkt

Welcome oder Internierung?

Am Ende eines „langen Sommers der Migration“ sehen wir allerorten fieberhafte Bemühungen, den Aufbruch zu stoppen. Insbesondere die Flucht- und Migrationsbewegungen entlang der offenen Route von Griechenland über den Balkan bis nach Deutschland und Skandinavien sollen verlangsamt und wieder unter Kontrolle gebracht werden. Die weitere Militarisierung der Außengrenzen, die Internierung in Hotspots in Griechenland und Italien, Haftlager, die als Transitzonen deklariert werden, neue Zäune plus Frontex und EUNAVFOR – wo auf Abschottung gesetzt wird, ist der Schießbefehl nicht weit. Endet so das Freiheitsversprechen Europas?

Moving Europe 2015 from Fish in Water Films on Vimeo.

Indes hat sich in den letzten Monaten, auch in Verlängerung der Arabellion, eine Autonomie der Migration entfaltet. Das neue Selbstbewusstsein der MigrantInnen und die Stärke, mit der sie ihre Bewegungsfreiheit – ihr right to move – durchsetzen, werden von der EU und einer Politik der Abwehr nicht so einfach gebrochen werden können. Die Migrationsketten reichen inzwischen weit über den syrischen Kessel hinaus bis nach Pakistan, und zahllose Menschen in Südosteuropa haben sich anstecken lassen von der Erfahrung, dass allein die Migration selbst das Recht auf Migration setzen kann. Der Damm ist gebrochen. Die Verteidigung der Festung Europa kann nicht mehr friedlich verlaufen. Weiterlesen